Schnuller abgewöhnen
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Schnuller abgewöhnen – Tipps für schnellen Erfolg

Der Schnuller: ein treuer Begleiter in der Säuglings- und zum Teil Kleinkindzeit. Bei unserer ersten Tochter war das zumindest der Fall. Die ersten Tage und Nächte nach ihrer Geburt waren für mich als Erstlingsmama ziemlich hart – alle halbe Stunde fing die Kleine an zu weinen, manchmal nachdem ich gerade gefühlte Ewigkeiten gestillt habe. Aber ich war fest entschlossen – bitte keinen Schnuller verwenden wegen der sog. „Stillverwirrung“, so wie es viele (Fach)Leute sagen – und man lässt sich als Neumama tatsächlich oft verunsichern.

Schnuller abgewöhnen

Irgendwann ging es nicht mehr, mit Babyblues und zerkauten Brustwarzen habe ich dann entschlossen, einen Schnuller auzuprobieren (immerhin ist es ja besser, als Daumenlutschen, wobei der Kiefer verformt werden kann und die Gefahr des plötzlichen Kindstod (SIDS) soll durch den Schnuller ja auch reduziert werden) und siehe da, unsere Tochter hat ihn sofort als besten Freund empfangen und war fortan zumindest zeitweise entspannter – was für ein Segen für die gestresste Mama. In der Tat haben Neugeborene ein starkes angeborenes Saugbedürfnis und wenn man nicht ständig den kleinen Finger oder die Brust geben will, dann hilft bei vielen Kindern eben der Schnuller, vorausgesetzt, sie nehmen ihn an. Für uns war der „Nam-Nam“ eine lange Zeit treuer Begleiter und ich war auf Autofahrten oder in der Münchner U-Bahn dankbar, dass ich mein Kind mit dem Sauger beruhigen konnte, wenn das Troststillen grade nicht möglich war.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt des Abschieds. Wann es soweit ist, muss von den Eltern und den aktuellen Umständen in der Familie selbst entschieden werden. Ein schlechter Zeitpunkt wäre z.B. Krankheit, ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterchens oder andere Situationen, in denen die Welt des Kindes Kopf steht. Meine Hebamme (selbst Mama von 4 Kindern) hat mir mal erklärt, dass man Babies ab ca. 6 – 8 Monaten den Schnuller wieder abgewöhnen sollte aus den folgenden Gründen:

  1. Babies die auch nachts mit dem Schnuller schlafen, atmen die ganze Zeit durch einen offenen Mund. Dies führt zu verstopfter Nase und die Kinder haben am nächsten Tag meist Schnupfen. Zudem trocknen die Schleimhäute und Atemwege leichter aus, dies kann dann Hals- und Racheninfekte sowie häufige Mittelohrentzündungen zur Folge haben
  2. wenn Babies noch weit nach dem 8. Monat oft am Schnuller saugen, entwickelt sich eine Nackenmuskulatur, die in diesem Alter eigentlich noch nicht da sein sollte, dies kann dann zu Verspannungen und Unwohlsein beim Baby führen
  3. bei Kindern, die lange Zeit den Schnuller nutzen, kann es bei der Sprachentwicklung manchmal zu Problemen kommen, zum Beispiel, dass die Zischlaute S und Z nicht korrekt ausgesprochen werden
  4. des Weiteren habe ich selbst festgestellt, dass in Kitas und Krabbelgruppen die Schnuller zum Teil (unbewusst) gegenseitig ausprobiert oder ausgetauscht werden, wobei mir gerade schon wieder schlecht wird, wenn ich an den Bakterienaustausch denke…
  5. nach 6-8 Monaten wird bei den Babies der Saugreflex durch den Kaureflex ersetzt, wodurch sie den Schnuller eigentlich nicht mehr „brauchen“, sich aber bereits sehr an ihn gewöhnt haben (ab diesem Zeitpunkt können alternativ zum Beispiel Kuscheltier, Beißring, Schmusetuch und co. als Substitution angeboten werden).

Welche Methode ist die richtige für uns?

Wir waren mit der Entwöhnung etwas später dran…aber am wichtigsten ist es, dass die Eltern innerlich fest davon überzeugt sind, dass es der richtige Zeitpunkt für die Entwöhnung ist, denn die Kinder merken ganz genau, ob Mama und Papa etwas ernst meinen oder doch ein Auge zudrücken werden und es eh nicht durchziehen. Bei uns war das dann kurz vor dem zweiten Geburtstag unserer Großen der Fall. Wir haben es einige Wochen vorab schon versucht mit der Methode, den Schnuller unattraktiv zu machen. Dabei haben wir zunächst ein Loch hinein gestochen, und dann täglich einen Millimeter des Schnuller abgeschnitten. Dies hat anfangs auch gut funktioniert, da der Schnuller keinen Spass mehr machte und dann oft in der Ecke landete. Nur konnte ich diese (etwas langwierige) Methode nicht durchziehen, da unser Kind erneut krank wurde und ich aus Mitleid dann doch wieder einen neue Schnuller kaufte.

Eine andere Lösung musste her und so hat es schließlich bei uns funktioniert: Die Große steckte mitten in der Trotzphase und hat ihre Grenzen mehrfach täglich überschritten, sehr zum Leidwesen ihrer (hoch)schwangeren Mutter. Als der Frechdachs dann nach einem sehr anstrengenden Tag wieder einmal das Gegenteil vom dem machte, worum ich sie bat, ist es um mich geschehen und ich habe beschlossen, dass nun der richtige Zeitpunkt zum Abgewöhnen des Schnullers ist, den sie längst nicht mehr „brauchte“ aber immer „wollte“.

Unsere Strategie zur Schnullerfreiheit

Vielleicht liegt es daran, dass meine Tochter ein kleiner Wut-Zwerg war, aber als ich den Entschluss zur Abgewöhnung fasste, stand fest, dass es nur den „kalten Entzug“ geben kann…nun ja, ich bin ja keine Rabenmutter und habe meine Kleine auch die ganze Zeit dabei begleitet aber ich wusste einfach, dass für uns keine „sanften“ Entwöhnungmethoden funktionieren würden und dass sich diese ewig hinziehen würden, da unser Kind alle Register ziehen würde, um den Schnuller zurück zu ergattern. Wie gesagt, für diese Strategie braucht man ein tiefe und feste innere Entschlossenheit, sonst funktioniert sie nicht.

Und so hat es geklappt: Meine Tochter hat eines Tages wieder einmal ihre Grenzen ausgetestet. Nach mehrfachem gut zureden und Erklärungsversuchen habe ich dann das Verschwinden des heiligen „Nam-Nams“ angedroht und ihr gesagt, dass „große Mädchen, die so frech sind, ja gar keinen Schnuller mehr brauchen und er daher weg gezaubert wird, wenn sie nicht hört“. Natürlich hat die kleine Maus mir nicht geglaubt und machte einfach weiter das, was sie nicht machen sollte – und schwupps, das wars, den Schnuller kommt weg, ein für alle mal. Ich habe ihr dann erklärt, dass sie ja nun ein großes Mädchen sei, und dass Mama an dieser Stelle leider konsequent sein muss. Als es dann Schlafenszeit wurde, realisierte mein Kind, dass Mama es wirklich ernst gemeint hat und nun kein Schnuller mehr zum Einschlafen kam. Ich blieb standhaft, obwohl ich einige Zweifel hatte, ob es funktionieren würde und mich schon auf eine harte Nacht einstellte, aber es ging, besser als gedacht.

Am nächsten Tag wurde dann wieder nach dem Schnuller verlangt und kurz mal aufgesetzt geweint. Von Tag zu Tag wurde es weniger, da ich meinem Kind erklärte, dass der Schnuller nicht mehr zurück kommt. Natürlich habe ich mein Baby immer getröstet und ihm Zeit und Verständnis entgegengebracht, wenn dem Schnuller mal nachgetrauert wurde. Es hat auch gut funktioniert, sie mit Spielen und Aktivitäten abzulenken. Zudem habe ich Sie immer darin bestätigt, dass sie doch nun schon ein großes Mädchen sei und der Schnuller nur etwas für „Babies“ ist. Das fand sie gut und hat sich nach ca. 3-4 Tagen endgültig damit abgefunden, dass „Nam-Nam“ nicht zurück kommt.

Ich war selbst erstaunt, wie gut und schnelle diese Methode bei uns funktioniert hat und dass mein Kind nach nur wenigen Tagen schnullerfrei war – ohne großes Drama. Wann immer wir nun ein Kleinkind mit Schnuller sehen, zeigt meine Kleine auf den Schnuller und sagt: „Mama, da Baby“ 🙂

Der wichtigste Tipp: wie man diese Strategie umsetzt und warum der Schnuller plötzlich verschwindet (z.B. durch die Schnullerfee oder durch Zauber) bleibt jedem selbst überlassen.  Am wichtigsten ist es, KONSEQUENT zu BLEIBEN – auch, wenn es besonders schwer fällt. Zudem ist auch der richtige TROST unersetzlich. Ich habe mir sehr viel Zeit genommen, mein Kind jeden Tag nach dem „Entzug“ zu trösten, es in den Arm zu nehmen und ihm zu zeigen, dass es auch mir leid tut, dass es wegen dem Schnuller traurig ist, aber dass wir das gemeinsam schaffen (positive Affirmationen geben).

Weitere (sanfte) Methoden zum Schnuller abgewöhnen

Im Netzt gibt es hunderte Tipps und Tricks zum Schnuller abgewöhnen. Hier habe ich die besten Methoden für Euch zusammengefasst:

  1. Die Luft raus lassen: eine tolle Methode, die wir auch vor dem Radikalentzug ausprobiert haben, es dauert aber eine Weile und man braucht etwas Geduld! Hierbei wird zunächst mit der Nadel ein Loch in den Schnuller gestochen, damit die Luft entweicht und der Schnuller so keinen Spaß mehr macht für das Baby. Dann wird Tag für Tag ein Millimeter des Schnullers abgeschnitten, bis das Kind schließlich nicht mehr dran saugen kann, und selbst die Lust am Schnuller verliert.
  2. Geschenke – Die Schnullerfee: hier kommt ein Fabelwesen, welches sich in der Nacht den Schnuller nimmt und dafür einige Geschenke hinterlässt. Alternativ kann das Kind selbst mithelfen, alle Schnuller zusammenzupacken und dieses Paket wird dann in der Nacht von der Schnullerfee abgeholt und durch Geschenke ersetzt. Natürlich kann sich auch jemand aus dem Bekanntenkreis der Eltern als Schnullerfee verkleiden und den Schnuller entgegen nehmen.
  3. langsame Reduktion/ Schnullerzeit begrenzen: die Entwöhnung läuft langsam ab, indem der Schnuller zum Beispiel nur noch zum Trösten, bei Krankheit oder zum Einschlafen gegeben wird. So vermeidet man tagsüber das Dauernuckeln und kann die Zeiten des Schnullergebrauchs langsam immer weiter reduzieren bzw. einschränken
  4. Schnullerfeste/Rituale: wer möchte kann den Abschied vom Sauger auch gebührend zelebrieren, zum Beispiel im Rahmen einer Schnuller-Beerdigung oder eines Abschiedsfestes, damit die Kinder besser verstehen, dass der Schnuller nicht mehr wiederkommt
  5. Bücher vorlesen: für Kleinkinder, die bereits gut verstehen und an das Vorlesen gewöhnt sind, können auch relevante Bücher zum Thema Schnuller abgewöhnen interessant und hilfreich sein. Sehr zu empfehlen und beliebt sind dabei diese beiden Exemplare: „Ich brauche keinen Schnuller mehr“* oder „Die Kleine Schnullerfee“*
  6. Der Schnullerbaum: in einigen Städten soll es tatsächlich sogenannte Schnullerbäume geben, an denen das Kind im Rahmen einen Abschiedsrituals seinen Schnuller hängen und hinterlassen kann. Zur Not kann man dazu sicher auch den Apfelbaum im Garten nutzen
  7. Urlaub: auf dem Blog von dreieckchen ist eine interessante Methode beschrieben, bei der man einen Urlaub oder ein Wochenende bei den Großeltern nutzen kann und auf der Reise den Schnuller „vergisst“. Das Kind wird dann mit den neuen Eindrücken so ablenkt, dass es dem Schnuller nicht nachtrauert und nach einigen Tagen schnullerfrei sein kann

Abschließend möchte ich noch sagen, dass natürlich jeder seine eigene Methode finden und ausprobieren sollte. Es gibt nicht „das“ Patentrezept mit garantiertem Erfolg, da auch jedes Kind anders ist und anders mit der Situation umgeht. Sicherlich ist auch das Alter entscheidend, denn je nachdem, wie viel ein Kind kognitiv bereits versteht, kann es natürlich auch ganz anders mit der Situation umgehen. Die Methode, die wir verwendet haben, ist sicherlich eher für Kinder geeignet, die bereits ein wenig verstehen. Für jüngere Kinder unter 1 Jahr kann man sicherlich einen sanfteren Weg wählen, der vielleicht etwas mehr Zeit beansprucht, damit die Kleinen sich langsam entwöhnen.

Hört auf Eurer Gefühl, denn Ihr kennt Euer Kind am besten. Wie gesagt ist der innere Entschluss der Eltern zum Abgewöhnen die wichtigste Voraussetzung, denn das spürt Euer Kind und ihr werdet damit auch Erfolg haben, egal wie der Weg zur Schnullerfreiheit aussieht oder wie lange es dauert. Steht Eurem Kind zur Seite und begleitet es auf diesem Weg, dann könnt Ihr nichts falsch machen. Ich wünsche Euch auf diesem Weg viel Erfolg und gutes Durchhaltevermögen!

Habt Ihr Eurem Kind schon erfolgreich den Schnuller abgewöhnt? Was war Eure Strategie und wie gut oder schlecht hat es geklappt? Ich freue mich auf Eure Kommentare, teilt gerne Eure Geschichte mit mir.

Liebste Grüße, Eure Isabel

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